• Elisa Witt

#9 warum eigentlich Coworking Space und Café?

Was habe ich nun eigentlich eröffnet? Ein Coworking Space? Ein Café? Einen Eventraum? Und warum in Schwerin? Die ersten Frage will ich hier beantworten, die letzte muss ein extra Beitrag werden, weil Schwerin einfach zu schön ist, um nebenbei abgehandelt zu werden!


Hier sitze ich nun auf meinem Lieblingsplatz am Fenster. Mit einer Tasse Kaffee vor meinem Laptop. Wie fast jeden Tag. Ab und an springe ich wieder zurück hinter den Tresen und versuche souverän als Gastwirtin durch zu gehen. Nach nun einem Jahr klappt das doch recht gut. Man wächst mit seinen Aufgaben. Als ich im Herbst 2018 zurück nach Schwerin gezogen bin, war ich weder Barista noch Gastwirtin und eigentlich auch nur selbstständig in Teilzeit.

Ein Jahr später und alles kann anders sein.

Vielleicht ist es die Atmosphäre in Schwerin, vielleicht aber auch ein bestimmtes Gemüt. Es ist beides. Die Stadt ist in einigen Punkten herrlich unberührt, hier kannst du etwas bewegen! Wenn du der Typ dafür bist, selbst etwas zu machen und ganz arg hartnäckig, bist du hier richtig. Man muss Durchhaltevermögen haben, denn der gemeine Schweriner ist "anders". Und genau deswegen ist der tisch, was er ist. Eben ein Coworking Café. Eben ein angepasster Coworking Space - quasi ein niedrigschwelliger Ort für jeden. Ein Coworking Space wäre zu viel Berlin für Schwerin. Ein einfaches Café zu wenig Neues für mich. Daher kam mehr und mehr die Idee auf einen Ort zu erschaffen, der uns alle abholt. Der niemanden abhängt. Ein Ort, der versucht seinen Platz zu finden in einer Stadt, die eben ist, was sie ist mit Bewohnern, die eben denken, wie sie denken. Ein Ort, der etwas aufschreckt, dabei aber gekleidet ist, wie jemand, den du kennst oder von dem du zumindest schon mal gehört hast. Und jeder hat doch wohl schon mal einen wirklich guten Kaffee getrunken, eine Bar gesehen oder hat Tischtennis gespielt? Das ist die Verkleidung, wir geben ein bisschen vor etwas Bekanntes zu sein. Wir sind ein Café, damit du dich traust hinein zu kommen. Wir veranstalten Spieleabende, damit du keinen Grund mehr hast, nicht doch mal vorbei zu schauen. Wir geben jedem die Chance etwas kennen zu lernen ohne das er oder sie ihre Komfortzone verlassen muss. Und wenn du dich erstmal traust und rein kommst, dann siehst du hier darfst du länger sitzen bleiben, lauter sprechen oder Fragen stellen. Hier darfst du dich offen und neugierig umgucken. Etwas ausprobieren. Etwas kreieren. Dir etwas erträumen.


Es gibt aber eben nicht viele Schweriner*innen, die auf diesen Ort gewartet haben. Auf einen Coworking Space. Auf einen Ort, der Dir so viele Freiheiten lässt. Es ist eben Schwerin. Also wurde es ein Café, um mit der Gastronomie eben doch etwas für die Miete und den anderen wilden Kosten zu machen. Ein Eventraum, um Fixkosten decken zu können. Denn so schön auch die Freiheit ist im tisch stundenlang zu sitzen und kreativ sein zu dürfen, davon kann man in Innenstadt-Lage nicht überleben. Ohne Events, ohne Vermietungen, ohne wirklich große Einnahmen funktioniert das Business nicht. Corona mit Lockdown im ersten Gründungsjahr ist genau das, was nicht passieren durfte bei so einem Konzept, welches mehr Aufklärungsarbeit ist als alles andere. Und nun fragt man sich, was kann noch alles passieren ein Jahr später. Was soll werden aus dem tisch? Wie viel Kaffee kannst du verkaufen? Wie lange auf Events warten? Denn in der Realität ist die Soforthilfe dahin, die Überbrückungshilfe eher guter Wille als eine tatsächliche Unterstützung und der Beruf der Selbstständigen mit wenig bis keiner Unterstützung bedacht. Was soll man da sagen....ich denke und glaube auch weiterhin daran, dass eine Kombi aus Café und Coworking genau das ist, was funktionieren kann in Schwerin und Städten, die ähnlich aufgebaut sind. Ohne wirklich viele Studenten und mit weniger Freigeistern als anderswo. Oder aber du hast wen, ob Stadt, Land oder EU, die dich fördern. Oder du lebst von Luft und Liebe als Gründerin, aber auch hier ist irgendwann das Ende erreicht. Vielleicht ist Corona also ein Grund, warum dieses Business nicht hat sollen sein. Vielleicht wird in den nächsten drei Wochen auch plötzlich ein Geldsegen kommen. Niemand weiß es. Auch ich nicht. Und so viele schöne Ideen man auch immer haben mag und so schön der Ort ist und viele Schweriner*innen glücklich macht, ohne Geld kommst du nicht weit. Nun schauen wir also auf die nächsten Monate. Behaltet Eure Masken auf und lasst die Urlaube im Ausland sein. Nächstes Jahr ist die Adria auch noch da und wahrscheinlich viel schöner als all die Jahre davor, weil die Natur sich doch gerade so schön "erholt" hat. Damals. Beim Lockdown. Ich erinnere mich.

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Martinstraße 11

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