• Elisa Witt

#4 Schwerin, sei kein Frosch!

Mein “Schweriner Freundeskreis" besteht zu 100% aus Angestellten, mein “Hamburger Freundeskreis” zu fast 100% aus Selbstständigen. Was uns das sagt? Eigentlich nichts. Diese Zahlen sind eindeutig nicht valide, wenn auch wahr und sie zeigen mein privates, kleines ambivalentes Umfeld.

In Hamburg war ich jede Woche gespannt darauf, wer aus meinem Bekanntenkreis als Nächstes ein Buch schreiben, mit einem Podcast starten oder von Poetry Sammlerin zu Hip Hop Act durchstarten wird. Alle waren freiberuflich unterwegs und übertrieben kreativ. Bei denen war die Reaktion auf meinen Plan Coworking nach Schwerin zu holen: 'Aber warum bloß Schwerin?!'.

Bei allen Schweriner*innen war die Reaktion auf den Plan: 'Aber warum Selbstständig?!' und dann 'Was heißt das überhaupt? Coworking?'.


Für mich war die Antwort an die Hamburger ziemlich einfach: Schwerin ist eine wunderschöne Stadt. Und na klar, ich bin hier nun mal aufgewachsen, das spricht auch deutlich für sie. Außerdem gab es endlich mal eine Wohnung mit Balkon und ohne Schimmel, die man sich leisten konnte. Die Antwort an die Schweriner ist hingegen deutlich fordernder: Wenn ich mit Laptop und Limo in einem Café sitze, dann ist das meine Form von Arbeit und die vermisse ich hier. Mein Arbeitsalltag sieht und fühlt sich anders an als 7h30-16h30 in einem Büro zu sitzen und das mit Anderen zu teilen, fehlt mir hier. In Hamburg fing ich manchmal erst um zwölf an: mit einem Meeting in einem Kaffee, dann ab ins Büro und später als Veranstaltungsleiterin in einem Club für ein Event bis spät in die Nacht. Das war mein Job und tatsächlich bin ich jeden Tag sehr gerne hin gegangen. Würde ich tauschen wollen? Niemals! Würdest Du tauschen wollen? Ich bin selbstständig, weil ich es liebe. Und ich will einen Ort in Schwerin an dem man coworken kann, weil ich es brauche. Beide Antworten sind wohl nicht aussagekräftig genug, ich gebe es zu. Aber eigentlich ist es genau das.


Für mich haben die Antworten ausgereicht und tatsächlich gab es auch die ein oder andere Fügung in Schwerin, die dafür sorgte, dass ich heute Gründerin eines Coworking Cafés bin.