• Elisa Witt

#12 Lockdown-Blues.

Dies ist der dritte Anlauf für einen neuen Beitrag.

Die ersten beiden Texte bleiben lieber unter Verschluss.

Zu viele ungefilterte Emotionen.

Man könnte ja meinen es ist nichts Neues, wir haben den ersten Lockdown ja auch gut über die Runden gebracht und daraus gelernt. Aber nö da mache ich es wie die Regierungen und bin völlig planlos und ohnmächtig.

Spass...die wissen was sie tun....auch Spass...irgendwann gibt's sicher einen Plan. Bei denen und bei mir. Nur heißt es bei mir scheinbar deutlich mehr: Zeit ist Geld.


Aktuell ist aber immer noch auch bei mir etwas Stagnation angesagt. Gerade den ersten Lockdown "überlebt", mit sehr viel Anstrengung! Ab Mitte August dann endlich wieder Fahrt aufgenommen, ist nun doch wieder alles anders. Der September war ein super Monat und auch der Oktober lief wunderbar gleichmäßig aufbauend. Aber das Glück wart nur 8 Wochen, nach 5 Monaten Bangen. Und nun stehen wir wieder genauso da. Und ja die Selbstständigkeit ist ein Auf und Ab aber das ist doch nun wirklich etwas zu viel des Guten.

Leider fühlt sich die Machtlosigkeit auch deutlich anders an als im Frühjahr. Woran das liegt? Ich denke an dem Unverständnis, dass wieder alles so plötzlich und unüberlegt kam. Diejenigen, die schließen müssen, wurden wieder sehr kurzfristig aus dem Leben gerissen. Vier Tage blieben, um noch einmal Geld zu verdienen für den ganzen Monat November. Zu wenig Zeit um einen Puffer aufzubauen oder den Lockdown Nummer 1 aufzuholen und zu wenig Zeit um mit erneutem Krisen-Plan um die Ecke zu kommen.

Und das war wohl bei der Regierung nicht anders - scheinbar auch hier etwas Überforderung? Bis heute gibt es keine Möglichkeit Hilfe zu beantragen. Keine spezielle Handhabe für Gründer*innen und auch keine Hilfe für Unternehmer*innen und ihr Lohn.


Was das konkret heißt?

Seit dem 02.11. verdiene ich kein Geld. Dafür gibt es ein paar mehr Gründe als der bloße Lockdown. Für ein Konzept wie meines - so frisch und unbekannt in einer kleinen Stadt wie Schwerin - ist Aufmerksamkeit alles. Die Gäste kamen auf Grund von Events, durch Mundpropaganda bzw. viel Netzwerkarbeit oder eben dem Verlangen nach einem Kaffee und einem guten Gespräch. In Zeiten des Lockdowns darf es kein lockeres Kaffee-Treffen mehr sein. Events sowieso nicht. Die Lage meines Spaces ist zwar mitten in der Innenstadt aber eben doch nicht in bester für einen ordentlichen To-Go-Verkauf. In eine Seitenstraße verirren sich die wenigen Stadt-Bummler eben doch nicht.

Das Thema Coworking als Alternative zu Homeoffice ist bei uns immer noch Aufbauarbeit. Ich dürfte ja den Coworking-Bereich öffnen, d.h. du kannst hier arbeiten aber nichts konsumieren. Im tisch sind aber eher flexible Coworker zu finden, die keine Monatsmiete zahlen, sondern so kommen wie es eben passt. Und wenn die Stimmung doch auch eher ist: bleib zuhause! kommen so wenige Leute in den Space, die sich dann auch noch den Kaffee beim Bäcker um die Ecke holen, dass es sich schlicht und weg nicht lohnt zu öffnen.

Eigentlich bleibt nur Abwarten, aber das kann ich mir nicht leisten. Wer kann das schon im zweiten Jahr seiner Gründung. Die Novemberhilfe wird bei mir recht spärlich ausfallen, da der Vergleichsmonat so frisch nach der Eröffnung war, dass davon 75% eher ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Kein Geld für den Laden, kein Geld zum Leben. Klingt irgendwie hoffnungslos...


Und dabei ist die Hoffnung eigentlich riesig, denn ich kann sagen, dass meine Idee schon viele Früchte getragen hat. Es kann funktionieren, benötigt aber eben seine Zeit. Zeit, die durch Corona unterbrochen, einfach nicht zu stemmen ist. Plan B und auch C sind schon vorhanden und sogar Plan D steht. Aber keiner ist so schön wie die letzten laufenden Monate und wer gibt schon gerne seine Träume auf.


Ich wollte diesen Blog-Beitrag eigentlich nicht schreiben, denn schon wieder so etwas Negatives, schon wieder ein Rückschlag. Aber irgendwie ist es wohl gut, wenn auch mal darüber jemand spricht. Und zwar dass es eine schwere Zeit ist. Egal ob du angestellt bist oder selbstständig. Diese Einsamkeit und Weltuntergangsstimmung schlägt aufs Gemüt.

Vielleicht helfen Wünsche und Träume?

Ich wünsche mir:

- ein wenig mehr Transparenz und Ehrlichkeit, was gerade geschieht. Denn mal ehrlich: dass hier im Winter eine zweite Welle kommt, war doch keine Überraschung?! Was ich brauche ist ein Plan. Also wenn diese Pandemie noch 5 Monate braucht, dann ist das so. Und wenn sie früher rum ist, umso besser. Aber lasst uns doch einfach mit dem Worst Case planen?

- über jede Hilfe ist man dankbar und dass es überhaupt Unternehmen-Hilfen gibt in Deutschland ist großartig, aber wenn diese so unendlich unorganisiert und willkürlich erfolgen, verfehlt das ihr Ziel. Wie viele Politiker, Referenten, Beamte gibt es? Da kann es doch nicht sein, dass nach einem Lockdown festgestellt wird, dass eine Software entwickelt werden muss, damit man online Anträge annehmen kann. Wie wäre es mit einem Workshop zum Thema New Work Mindset? Agile Arbeitsmethoden sind für jeden da!

- ich wünschte ich wäre eine Werft.

- ganz allgemein mehr Wertschätzung für neue Ideen und Gründer*innen! Tatsächlich bin ich in meiner Blase wohl die einzige, die ganz akut wirtschaftlich unter den Folgen von Covid 19 leidet. Jede Gründung bedeutet privat recht viel Verzicht. Jede Selbstständigkeit bedeutet Risiko. Nun sind es fast zwei Jahre mit Verzicht und einem "blöd gelaufen mit Corona". Da ist man über jede Nachricht und jedes Wort der Community froh, aber will natürlich kein Mitleid. Sondern eher Aufmerksamkeit für das was man tut. Immerhin baue ich einen neuen Ort in Schwerin auf, der neue Leute anzieht und anderen sprich Einheimischen neue und alternative Möglichkeiten schafft. Und im besten Falle schaffe ich eins zwei neue Arbeitsplätze. Das ist doch was. Und vielleicht heißt es dann gesellschaftliche Verantwortung übernehmen für die, die Kraft haben das zu unterstützen. Und da ist es wohl eindeutig finanzielle Kraft. Ob der Eigentümer der Immobilie, Steuern, Abgaben jeglicher Art....jeder Euro tut weh. Eine Spendenbox von Stammgästen ist wunderbar und fühlt sich doch falsch an. Eine wirtschaftliche Hilfe von Stadt oder Land wäre wunderbar und ist doch so unrealistisch.

- ich wünschte ich wäre im "ländlichen Raum" - hier ein Gutshaus zu einem Coworking Space umbauen und die Förderung und Anerkennung ist dir beinahe sicher.


Genug der Naivität und der Utopie.

Und wenn dann bin ich immer noch voll und ganz für Utopien von Optimisten.

Mittwoch wird es wieder einen To-Go-Verkaufsnachmittag geben! Der letzte war sehr aufbauend! Vielleicht am besten mit einem Punsch mit Schuss, damit die neue Verordnung von Mittwoch besser verarbeitet werden kann.

Und falls es im Dezember mit Lockdown-Maßnahmen weiter gehen sollte, wovon ich stark ausgehe, gibt es ein Pop-Up Weihnachtsgeschäft und einen erneuten Coworking Versuch.


Bald ist 2020 vorbei, endlich!

Da mache ich drei Kreuze und freue mich darauf in das beste Jahr zu starten.

2021 wird ein Traum.

Ich bin mir ganz sicher.


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